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Durchbruch für die Kernfusion?

In der letzten Woche ging in hunderten Artikeln durch die Weltpresse:

„Historischer Durchbruch bei der Kernfusion“.

Geradezu euphorisch haben viele auf eine Meldung aus den USA reagiert.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger, FDP, gratulierte den Wissenschaftlern auf Twitter für ihren Erfolg und sprach von einem „historischen Tag für die Energieversorgung der Zukunft“. Erstmals sei gezeigt worden, dass man „die Sonne tatsächlich auf die Erde holen“ könne.

Quelle: Tagesschau

Die verheerende, aber falsche Botschaft hinter diesen Meldungen: Es gibt zwar Hoffnung endlich die Energieprobleme der Menschheit mit Kernfusion weit nach 2050 zu lösen, was man den Erneuerbare Energien aber nicht zutrauen will. Dabei werden nur die Erneuerbaren Energien den kommenden Weltbedarf an Energie decken können, niemals aber die Kernfusion.

Auch das neue Experiment in den USA ist kein Durchbruch für die Kernfusion

Was soll denn der angebliche Durchbruch sein? Forscher am Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien hatten gemeldet, erstmals mehr Energie aus einem Fusionsexperiment erhalten zu haben, als sie hineingesteckt hätten. Tatsächlich haben erstmals Laserkanonen Energie in das Plasma geschickt, worauf dann das Plasma eine Kernfusion zündete und einen relativ kleinen Energieüberschuss produzierte. Plasma ist ein physikalischer Materiezustand mit extrem hohen Temperaturen jenseits des gasförmigen Zustandes. Hierbei können Fusionen von Atomkernen stattfinden durch die dann Energie freigesetzt werden kann.

Doch es ist kein historischer Durchbruch im Sinne von „erstmals mehr Energie erzeugt, als hineingesteckt“, wie viele Medien blind berichten.

Tony Roulstone, Dozent für Nuklear Energie an der Universität Cambridge, sagte dazu:

„Obwohl dies eine positive Nachricht ist, ist dieses Ergebnis immer noch weit von dem tatsächlichen Energiegewinn entfernt, der für die Erzeugung von Elektrizität erforderlich ist.  Das liegt daran, dass sie 500 MJ Energie in die Laser einbringen mussten, um 1,8 MJ an das Ziel zu liefern.  Auch wenn sie also 2,5 MJ herausbekommen haben, ist das immer noch weit weniger als die Energie, die sie für die Laser benötigt haben.  Mit anderen Worten: Der Energieoutput betrug nur 0,5 % des Inputs“.

Quelle: Science Media Centre

Damit entpuppt sich diese „Durchbruchmeldung“ wieder als das, was es wirklich ist: Ein erneuter verzweifelter Versuch der Kernfusionsforscher mit „Forschungsdurchbrüchen“ eine euphorische öffentliche Stimmung zu schaffen, um auch weiterhin zig Milliarden Forschungsgelder aus der öffentlichen Hand zu erhalten.

Seit 70 Jahren wird an Kernfusion als Energiequelle ergebnislos geforscht

So geht das nun seit ca. 70 Jahren.

Um 1950 wurden die ersten Ankündigungen laut, dass mit den ersten Kernfusionsreaktoren als „unerschöpfliche“ Energiequelle etwa um 1980 zu rechnen sei.

Heute – selbst nach der aktuellen Durchbruchmeldung – geht kaum jemand davon aus, dass die Kernfusionsreaktoren vor 2050 Energie liefern könnten, auch wenn manche Start Ups wie z.B. Marvelfusion es anders versprechen und dafür eifrig zig Millionen von leichtgläubigen Investoren einsammeln.

Quelle: Marvel Fusion GmbH

Grundlegende Fragen der Kernfusion sind bis heute nicht gelöst

In meiner Zeit als forschungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag hatte ich bei einigen Besuchen in den Kernfusionsforschungseinrichtungen in München oder Greifswald hinterfragt, was denn die Möglichkeiten der Kernfusion seien.

Schon damals wurde mir klar, dass die Kernfusionsforscher auf die zentralen Fragen keine Antwort haben und dies gilt bis heute.

Immer noch ist nicht klar, welches Material jemals den Kern eines Fusionsreaktors einschließen soll. Diese erste Wand muss ja höchste Drücke, extrem hohen Neutronenbeschuss und Temperaturen von Millionen Grad Celsius, aushalten. Bisher ist kein Material bekannt welches dies aushalten würde. Jedes Material, das einem solch hohen Neutronenbeschuß ausgesetzt ist, wird hoch radioaktiv kontaminiert und verliert gleichzeitig schnell alle notwendigen Materialeigenschaften. Anders als fast überall zu lesen ist würde ein Fusionsreaktor also sehr wohl große Mengen radioaktiven Müll produzieren.

Schon alleine deshalb ist nicht abzusehen, dass es je einen Kernfusionsreaktor geben könnte, auch nicht in hundert Jahren.

Seit Langem ist bekannt, dass die Kernfusion keine Lösung wird bieten können

Schon in meiner Bundestagrede zur Kernfusion 2002 hatte ich die Beendigung der öffentlichen Forschungsgelder für die energetische Kernfusionsforschung gefordert.

Quelle: Hans Josef Fell (PDF)

Auch in meinem Bericht an die Grüne Bundestagfraktion um 2004 hatte ich – wie auch das Büro für Technikfolgenabschätzung im Bundestag gefordert – eine neue Bewertung der Kernfusionsforschung zu schaffen, statt eines immer „weiter so“ wie bisher.

Quelle: Hans Josef Fell (PDF)

Wie oft musste ich mir in meinem Leben – selbst in hochrangigen Podiumsdiskussionen – anhören, dass ich ein Forschungsfeind sei und die Kernfusion so um 2020 dann endlich den Durchbruch schaffen würde und dann erste Stromerzeugung möglich sei. Bei der Photovoltaik dagegen sei ich auf dem Holzweg, da diese nie wirklich billig werden und keinen nennenswerten Beitrag liefern könne.

Seit vielen Jahren werden angebliche Forschungsdurchbrüche verkündet

So wurden und werden seitdem hunderte Milliardenbeträge weltweit weiter in die Kernfusionsenergie gesteckt. Einziges Ergebnis: Alle paar Jahre wird ein „Forschungsdurchbruch“ so wie letzte Woche in den Medien gefeiert.

2015 wurde am Projekt Wendelstein ein Durchbruch gefeiert, weil dort gerade mal eine Zehntelsekunde lang ein Plasma gezündet wurde.

Quelle: Wccf (Where Consumers Come First) tech

2018 wurde am MIT in den USA ein Durchbruch gefeiert, weil die Forscher ein neues Design für einen Kernfusionsreaktor gefunden hätten.

Quelle: SiliconRepublic.com

2021 wurde ein Durchbruch angekündigt, der einen Fusionsreaktor gar bis 2024 versprach.

Quelle: Hustle Con Media, Inc.

Und so wird die Geldverschwendung wohl noch Jahrzehnte weitergehen, wenn Politiker weiterhin zig Milliarden Forschungsgelder in die „Fata Morgana Kernfusion“ stecken.

Erneuerbare Energien werden die Kernfusionsforschung erübrigen

Es gibt eine globale Entwicklung, die es ganz anders kommen lassen wird, als heute vor allem auch in den „Durchbruchsberichten zur Kernfusion“ beschrieben wird.

In den letzten 20 Jahren haben sich die Erneuerbaren Energien dank EEG zur ökonomisch vorteilhaftesten Energieform entwickelt, obwohl sie mit wesentlich weniger Forschungsmitteln als für die Kernfusion unterstützt wurden. Mit Kernfusion wurde trotz 70 Jahren massiver Forschungsförderung noch keine einzige Kilowattstunde Strom erzeugt. Erneuerbare Energien dagegen versorgen heute schon ganze Länder wie Costa Rica zu 100% und Deutschland schon immerhin mit 50% Strom.

Gerade kommt von Prof. Dr. Christian Breyer, Uni Lappeenranta, Finnland, ein Forschungsergebnis, das es leider nicht wie die angeblichen „Durchbrüche der Kernfusion“ in alle Medien schafft, aber dennoch phänomenal ist: Schon 2030 könnten Erneuerbare Energien die Stromversorgung der gesamten Erde billiger bereitstellen, als die heutige dominante Stromerzeugung aus Kohle, Erdgas, Erdöl und Atomenergie. Erforderlich ist nur der politische und gesellschaftliche Wille dazu.

Quelle: ScienceDirect.com

Erneuerbare Energien befinden sich global auf einem enormen Beschleunigungspfad. Leider berichten viele Medien immer noch lieber über angebliche Durchbrüche bei der Kernfusion, als über die phänomenalen Ausbaugeschwindigkeiten und längst verwirklichten Kostensenkungen der Erneuerbaren Energien.

Ein EEG für die Kernfusion

Da nun Teile der Community der Kernfusion – wie Marvel Fusion – sich so sicher sind, dass es mit der Kernfusion bald weitere Durchbrüche und kommerzielle Reaktoren gäbe, schlage ich vor, die Forschungsförderung abzuschaffen und ein EEG für die Kernfusion einzuführen. Für den Solarstrom hatte dies 2000 den Durchbruch gebracht. Damals wurde gesetzlich garantiert, dass von den Energieversorgern 50 Cent pro kWh erzeugtem Solarstrom bezahlt werden, was heute zu PV-Stromerzeugungskosten weit unter 10 Cent/kWh geführt hat.

Jetzt könnte der Bundestag auch ein Kernfusions-EEG verabschieden und Investoren mit Kernfusionsreaktoren mit 50 Cent pro eingespeister kWh, so wie damals die Solarenergie vor 22 Jahren, gesetzlich befördern. Schnell würde sich zeigen, dass keine Bank dafür eine Finanzierung bereitstellen würde und so der Offenbarungseid für die Kernfusionsträume geleistet würde. In 10 Jahren könnte man das Kernfusions-EEG dann wieder wegen völliger Unwirksamkeit einmotten.

Die Kernfusion hat ihre Forschungswurzeln genauso wie die Photovoltaik in den 1950er Jahren. Warum nur sollte man ihr mit zig Milliarden Forschungsgeldern noch mehr Geld hinterherwerfen? Wer in 70 Jahren massiver Forschungsförderung nicht einmal in einem einfachen Experiment auch nur eine Kilowattstunde Strom erzeugen konnte, sollte endlich zugeben, dass dies eben prinzipiell unmöglich ist.

Quelle: www.hans-josef-fell.de 

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