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Der World Energy Outlook 2020 ist ein klarer Pfad in den Untergang der menschlichen Zivilisation

Der heute veröffentlichte World Energy Outlook (WEO) 2020 der Internationalen Energieagentur (IEA) ist weiterhin unvereinbar mit dem 1,5°C-Ziel, obwohl er in Teilbereichen Verbesserungen aufzeigt. In den vergangenen Jahren hatte die IEA die Nutzung der fossilen und atomaren Energieträger immer deutlich überschätzt und im Gegenzug die Ausbaugeschwindigkeit der Erneuerbaren Energien unterschätzt. Damit hat sich die IEA selbst zu einem der Hauptverursacher für die hohen THG-Emissionen und damit die eingetretene Erdüberhitzung gemacht. Nun setzt der diesjährige WEO den Schwerpunkt auf Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung als Reaktion auf die Corona-Krise, doch bleibt der Bericht – wie gewohnt – weit hinter dem zurück, was klima- und energiepolitisch notwendig wäre.

Zwar nähern sich die Zahlen der IEA zu den Kosten und Ausbauraten der Erneuerbaren Energien der Realität, aber auch mit dem WEO 2020 bleibt die IEA ihrer Verantwortungslosigkeit für den Klimaschutz treu und ermuntert zur weiteren langfristigen Nutzung von fossilen Energieträgern.

Geradezu grotesk ist die Einschätzung der IEA zum Klimaschutz im Sustainable Development Szenario (SDS) des WEO. So hält die IEA es mit 50%iger Wahrscheinlichkeit für möglich, eine globale Erwärmung von 1,65°C über dem vorindustriellen Niveau nicht zu überschreiten, wenn erst bis 2070 Netto-Null-Emissionen verwirklicht werden. Angesichts der von Klimaforscher*innen des EU-Klimaforschungsinstituts Kopernikus gerade gemessenen globalen Temperaturerhöhung von 1,3°C ist dies völlig absurd. Im letzten Jahrzehnt stieg die Welttemperatur um 0,18°C an, in diesem und dem nächsten sind jeweils Temperatursprünge von mindestens je 0,2°C zu erwarten, so dass 1,7°C spätestens 2040 überschritten sein werden. Und selbst wenn ab 2030 alle Emissionen gestoppt sein sollten, wird sich die Erde weiter signifikant aufheizen. Das SDS rechnet für 2040 jedoch mit etwa 45% der heutigen Treibhausgasemissionen, mit einem Szenario für eine „nachhaltige Entwicklung“ hat das wahrlich nichts zu tun.

Der WEO 2020 hat zwar im Vergleich mit seinen Vorgängern in einigen Bereichen dazu gelernt, dennoch ist er weiterhin nicht optimistisch genug in seinen Annahmen. So soll PV von 600 GW auf 5.900 GW (11.5% pro Jahr) und Windkraft von 620 GW auf 3.000 GW (8% pro Jahr) bis 2040 zulegen. Das ist gegenüber früheren Veröffentlichungen der IEA eine Verbesserung in die richtige Richtung. Im WEO 2019 waren es noch 4.800 GW für PV. Zudem entsprechen die angegebenen PV-Kosten erstmals der Realität. Aber es werden nicht die entsprechenden Konsequenzen daraus gezogen, dass PV heute die kostengünstigste Form der Stromerzeugung ist. Denn dies wird das Energiesystem wesentlich schneller umstrukturieren, als es vom WEO 2020 prognostiziert wird.

Die Stromerzeugung aus Kernkraft soll im SDS von 2.800 TWh auf 4.300 TWh zulegen. Dies erscheint geradezu lächerlich, angesichts der Tatsache, dass sie die teuerste Form der Stromerzeugung ist und zudem technologisch, ökonomisch und sicherheitspolitisch größte Probleme mit der Atomenergie verbunden sind und die Bauzeit eines Kernkraftwerks meist bei weit über 10 Jahren liegt.

Der Erdölverbrauch im Verkehr soll bis 2030 nur geringfügig sinken, die hohe Dynamik der Elektromobilität wird hier nicht antizipiert. Immerhin die Kohlenutzung soll bis 2050 deutlich sinken, während die Stromerzeugung aus Erdgas bis 2050 nur von 6.300 TWh auf 4.550 TWh zurück gehen soll. Damit spielt fossiles Gas weiterhin eine große Rolle im SDS. Diese Botschaft der IEA ist extrem gefährlich für den Klimaschutz. Denn die Methanemissionen nehmen drastisch zu, obwohl fossiles Gas nicht weniger klimaschädlich ist als Kohle.

Da der WEO vielerorts nach wie vor als zielgenaue Prognose des zukünftigen Energiesystems gesehen wird, hat der Bericht das Potenzial, zukünftige private und öffentliche Investitionen in Billionenhöhe zu beeinflussen. Darüber hinaus werden die Szenarien des WEO auch Orientierungspunkte für jedwede Klimaziele sein, die im Vorfeld der Weltklimakonferenz beschlossen werden.

Fazit: Auch mit dem diesjährigen WEO bleibt die IEA ihrer Verantwortungslosigkeit treu und ermuntert zur weiteren langfristigen Nutzung von fossilen und atomaren Energieträgern, scheinbar ohne die Notwendigkeit und die Chancen einer schnellen und umfassenden Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien mit einzubeziehen. Dabei haben in den letzten Jahren verschiedene Forschungsinstitute die Machbarkeit von 100% Erneuerbare Energien auch vor 2050 aufgezeigt. Damit macht sich die IEA als weltweit einflussreichste Instanz für Energiefragen mit schuldig, wenn es um die Beantwortung der Frage geht, warum die Weltgemeinschaft keinen Weg zum Klimaschutz findet.

Quelle: www.hans-josef-fell.de 

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